Ab­schied mit Pau­ken und Trom­pe­ten - Gro­ße Fei­er für Mar­ti­na Mat­hes – Ei­ge­ne „Fern­seh­sen­dung“ und Stein­skulp­tur

Mit Pauken und Trompeten, Gstanzln und Torelli-Orchester ist Martina Mathes, langjährige Leiterin der Ludwig-Erhard-Wirtschaftsschule (LES), am Dienstag in den Ruhestand verabschiedet worden. Der Aufwand, den die LES-Schulfamilie für diese Feier betrieben hat, zeugt von der großen Wertschätzung für die beliebte Pädagogin. Dass Martina Mathes zum 1. April 1990 zur Leiterin der LES ernannt wurde, sei kein Aprilscherz, sondern ein Segen für die ganze Schulfamilie gewesen, sagte Studiendirektor Thomas Schiller, der die zahlreichen Gäste zur Feier willkommen hieß. Schüler, Lehrer, Angestellte der LES, Leiter anderer Schulen im Landkreis, Vertreter befreundeter Institutionen sowie der Politik hatten sich in der Aula der Wirtschaftsschule, der künftigen Realschule, eingefunden.

„Großer Verlust“

In Anlehnung an das Aristoteles-Zitat „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen“, das Martina Mathes als Motto ausgewählt hatte, sagte Leitender Schuldirektor Thomas Unger von der Regierung der Oberpfalz: „Das Schiff ist am Ziel angekommen, die Anker sind gesetzt, die Kapitänin geht von Bord.“ Das bezeichnete Unger als „großen Verlust“. 36 Jahre war Mathes an der LES, 27 Jahre habe sie „auf der Kommandobrücke gestanden und dabei die Schule maßgeblich geprägt“. Das Wirtschaftsschulschiff habe sich oft auf rauer See bewegt, viele Stürme und Turbulenzen überstanden und Klippen umschifft. Nun soll das „trendige Motorboot Realschule“ den Schulstandort retten.

Unger blickte kurz auf den Werdegang von Martina Mathes zurück, der mit dem Studium zur Diplom-Handelslehrerin begann. Schon kurz nach ihrer Referendarszeit wurde sie stellvertretende Schulleiterin und ihr sei bereits bei ihrer ersten Beurteilung die Eignung als Schulleiterin bescheinigt worden, ein quasi einmaliger Vorgang. Mathes sei „eine stille Arbeiterin, auf die man sich verlassen kann“, so Unger. „Die Stars gehen, die Fans bleiben, einer steht heute vor Ihnen“, schloss er seine Laudatio.

„Wehmut“, „Dankbarkeit“, „Bewunderung“ – mit diesen Begriffen überschrieb Landrat Franz Löffler seine Ansprache. „Am meisten freut mich bei all der Wehmut, dass du in Waldmünchen bleibst“, wandte er sich an die scheidende Schulleiterin. Mathes habe als Pädagogin die Wirtschaftsschule wie kein anderer über Jahrzehnte hinweg geprägt, sie habe sogar die ganze Region mitgeprägt, meinte Löffler. Junge Menschen und die Bildungsqualität hätten bei Mathes stets im Vordergrund gestanden. Den Kindern das Rüstzeug für eine erfolgreiche Zukunft zu geben, sei ihr Ziel gewesen. „Mathes war für Waldmünchen ein Glücksfall“, ist sich Löffler sicher.

Er ging auch kurz auf das Ende der Wirtschaftsschule in Waldmünchen ein: Die Probleme hätten bereits mit der Einführung der sechsstufigen Realschule begonnen. Der Schritt, auch die Wirtschaftsschule mit einer fünften und sechsten Klasse auszustatten, sei nicht möglich gewesen, da die Wirtschaftsschule eine berufsbildende Schule sei. Für Löffler „ein Fehler im System“. Gleichwohl brauche auch der nördliche Landkreis eine weiterführende Schule. Für die Umstellung auf die Realschule habe Mathes sogar noch an ihrem 60. Geburtstag in München mitgekämpft. Als Anerkennung für ihre Verdienste überreichte Löffler Mathes ein Seidentuch von Hermès.

Jede Menge Superlative

Jede Menge Superlative fand auch Bürgermeister Markus Ackermann für Martina Mathes. Sie habe die Interessen ihrer Schule energisch vertreten und mit Souveränität und diplomatischem Augenmaß ihre Ziele erreicht. Für die Stadt sei sie eine verlässliche Partnerin gewesen. Sie habe immer das Wohl der Schüler im Blick gehabt. Qualität, Teamgeist, Mitmenschlichkeit seien dabei Mathes’ Leitlinien gewesen. Ackermann stellte ihr insofern ein hervorragendes Zeugnis aus: „Du bist ein Musterbeispiel und Vorbild eines Schulleiters.“

Für die Leiter der Oberpfälzer Wirtschaftsschulen sollten Thomas Reitmeier, Schulleiter des BSZ II Weiden, und Brigitte Conchedda, Leiterin der Wirtschaftsschule Friedrich-Arnold Amberg, sprechen. Doch sie holten zur Überraschung aller Akkordeon und Klarinette aus der Tasche und spielten und sangen lustige Gstanzln. „Sie haben die Wirtschaftsschule zum Erfolg geführt“, sagte Barbara Dietzko, Schulleiterin von FOS/BOS Cham.

Danach gab es für Martina Mathes noch viele Überraschungen: Thomas Schiller überreichte ihr ein Erinnerungsbuch, in dem sich die ganze Schulfamilie persönlich verewigt hat. Außerdem durfte sie sich über ihr Lieblingsbild „Schaf und Wolf“ freuen, das bisher in ihrem Büro hing.

Auch der Elternbeirat mit Heidi Saßl, Konrad Reitmeier, Gisela Betz, Barbara Heimann und Klaus Scherr bedachte Mathes mit selbstgedichteten Gstanzln. Vertreter der Schülerschaft übergaben ein Bild mit den Namen aller aktuellen Schüler.

Für die Highlights war an diesem Tag aber der Ehemaligenverein mit seiner Vorsitzenden Susanne Nock zuständig: Erst zeigte er die aufwendig gedrehte Sendung „Löwenzahn“ mit der Folge „Der letzte Arbeitstag einer Schulleiterin“, in der Lehrer und Schüler mitspielten, und dann enthüllten die Mitglieder des inzwischen aufgelösten Vereins eine Steinskulptur im Pausenhof, die die „Epochen“ der Schule plastisch darstellt. Auch Martina Mathes ist einer der Steine gewidmet. „Du, liebe Martina, hast bei uns den größten Stein im Brett“, erklärte Susanne Nock dazu.

„Se­gel für Wald­mün­chen rich­tig ge­setzt“ - Mar­ti­na Mat­hes zieht zum Ab­schied Bi­lanz und spart nicht an deut­li­chen Wor­ten

„Ich bin sicher, wir haben die Segel für Waldmünchen richtig gesetzt“, sagte Martina Mathes in ihrer Rede. Das Realschulschiff nehme Fahrt auf, die zweistufige Wirtschaftsschule segle nach Cham, dafür müsse die vierstufige Wirtschaftsschule die Segel streichen. Aber, so Mathes, manchmal müsse etwas zugrunde gehen, damit Neues kraftvoll entstehen kann. Sie selbst habe sich entschlossen, ihre Segel in Richtung Ruhestand zu setzen.

Ihr Abschied falle in eine Zeit des Umbruchs und sie fühle sich erinnert an das Jahr 1989, sagte Mathes. Damals habe Max Windmeißer ihr geraten: „Lassen’s Eahna vor nix grausen“, als er sie mit einem Brief quasi „beauftragte“, die Schule zu leiten. Diese „kuriose Amtsübertragung“ sah er damals als notwendig an, weil es das Ministerium nicht geschafft hatte, die Nachfolge zu regeln. Nun stehe man wieder vor so einer Situation: Die Stelle ihres Nachfolgers sei bereits seit Dezember ausgeschrieben und es seien auch Bewerbungen eingegangen. Dennoch werde laut Ministerium über die Stellenbesetzung erst im kommenden Schuljahr entschieden. „So schafft man kein Vertrauen bei Lehrkräften, Eltern und Schülern“, kritisierte Mathes.

Die Unterstützung der Regierung der Oberpfalz sei da „wohltuendes Kontrastprogramm“, meinte Mathes. Sie richtete einen umfassenden Dank an die Lehrer und Mitarbeiter an der LES, an die Eltern und Schüler. „Die LES ist ein Familienbetrieb“, stellte Mathes fest. Eine Dankadresse ging aber auch an den Landkreis, den Ehemaligenverein und die Stadt Waldmünchen. Sie gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, erklärte Martina Mathes. Es erfülle sie mit Zufriedenheit, Stolz und Dankbarkeit, dass die Schule vielen Schülergenerationen das Rüstzeug für ihre Berufskarriere mitgegeben hat. Viele Wirtschaftsschüler seien zu „Gestaltern und Motoren ihrer Heimat“ geworden.

Andererseits sei sie froh, so Mathes, einem System zu entkommen, das den Schulen „ein völlig unzeitgemäßes Apartheidsdenken“ verordne. Das Lehrerkollegium liegt Mathes nach wie vor am Herzen. Sie sprach sich dafür aus, bei anstehenden Umstrukturierungen „Betroffene zu Beteiligten zu machen“. Auch zum Schluss ihrer Rede fand Mathes noch einmal deutliche Worte, als sie sagte: „Sollte ich Menschen im Kultusministerium im Zusammenhang mit der Realschulgründung verprellt haben, wofür es gewisse Anzeichen gibt, so tue ich mich schwer, mich dafür zu schämen. Vielleicht eine Handvoll verprellt und für hunderte Kinder Positives auf den Weg gebracht zu haben – damit kann ich gut leben.“

Quelle des Textes: Chamer Zeitung vom 26.07.2017

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